Company MEK – “FivE” (10′) & “NEVER HAVE I EVER” (20′)

DO 19.11.2020
19:30 Uhr


Online Tickets nur bis am 19.11.2020 / 17:00 Uhr erhältlich.
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Achtung: Aufgrund der Absagen ist dieser Abend ein kurzer Anlass. Ticketpreise wurden angepasst.

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FivE

Foto: Christian Glaus

Die gemeinsame Suche des Choreografen Muhammed Kaltuk mit dem Tänzer Tanaka Lionel Roki und später mit Witthawat Tonja für die zweite Variante von FivE begann mit einem Gespräch über die Zukunft, über Abschiede, über Verluste, über Lebensentscheidungen und Ereignisse, die größer sind, als man selber. In tiefer Erinnerung bleiben einem die Menschen, mit denen man geweint hat. Vor seiner Karriere als Tänzer war Muhammed im Gesundheitssystem tätig. Im Krankenhaus ist man permanent mit Trauer und ihrer Verarbeitung konfrontiert, bei Patient*innen und Angehörigen, man kann sich nicht entziehen. Als Außenstehender hat ihn das Erfahren, das Durchleben, das Verarbeiten immer wieder aufs Neue bewegt. Rokis Geschichte – sein Weg von Simbabwe in die Schweiz, seine Kämpfe in einer Welt, die nicht seine war und ist – war begleitet von Momenten der Verzweiflung, der Niedergeschlagenheit, der Einsamkeit, der Trauer.
Trauer ist ein extremer Gemütszustand, vielleicht der extremste, körperlichste, dauerhafteste, verbunden mit den größten körperlichen Kämpfen, seelischen Zuständen und den deutlichsten Phasen einer Verarbeitung. An diesen Phasen arbeitet sich der jeweilige Tänzer in diesem eindringlichen Solo ab: Leugnung // Zorn // Verhandeln // Depression // Akzeptanz. Seinem Körper folgt man beim Durchleben. Jeder Aufschrei, jede Erstarrung, alle Rückzüge und Verletzungen werden bloßgelegt. Man hält es kaum aus, Momente zu erleben, in denen der Kampf nach Innen geht, schaut und erinnert sich immer wieder selber an diese Momente größter Auseinandersetzung mit sich selbst. Es geht um die Fragen danach, ob alle Wunden heilen können, wie viel die Angst und das Hadern mit dem Schicksal beeinflussen. Der Tänzer mäandriert zwischen großen emotionalen Energien, driftet zwischen Ausdruck und Unterdrückung von Gefühlen, zwischen Authentizität und Affektion, zwischen größten Gesten und Unbeweglichkeit. Die Künstler erzählen in dieser Arbeit auch ihre kulturellen Unterschiede mit, im simbabwischen Kontext ist der Trauerprozess stark mit dem Glauben und bestimmten Ritualen verbunden, die das Durchleben stark an die Gemeinschaft bindet. Etwas, wovon sich der Tänzer für sein Leben in Europa beispielsweise verabschieden musste. Eine sehr persönliche, bewegende, herausfordernde, Mut machende Arbeit.

Choreografie Muhammed Kaltuk
Tanz WITTHAWAT TONJA

NEVER HAVE I EVER

© Samuel Bramley

Kontaktaufnahme im Jahr 2020: Alles definiert sich beim Ausgehen und bei der Partner*innensuche auf das Äußere. Begegnungen passieren schnell und beliebig. Ein flüchtiger Austausch reicht, eine Beziehung muss man genauso schnell wieder loswerden können wie man sie begonnen hat, man tauscht sie durch.
Was heißt Beziehung? Alles von sich zu geben und Kompromisse einzugehen? Wer ist für eine solche Offenbarung noch bereit, für diese schöne und gleichzeitig zerstörerische Form des Gemeinsamen?

Inspiriert von der Form- und Körpersprache von Pina Bausch entwickelt die Company MEK für NEVER HAVE I EVER ein Tanzstück mit viel Theatralik, emotional und gleichzeitig abstrakt, ein Kaleidoskop der modernen Beziehungs-Emanzipation des Menschen.

 

Choreografie Muhammed Kaltuk

Eine Auswahl aus der Nachwuchsplattform SHOW-OFF des Tanzhaus Zürich.